+++ Fliegen auf der "Homebase" - Fluggelände des MFC Zell +++  2008

Mein Heimatflugplatz nun schon seit vielen Jahren ist das Fluggelände des MFC Zell in der Nähe der Orte Kirchdorf i. Wald und Bischofsmais im Bayerischen Wald. Wer Interesse am Verein oder dem Modellflugplatz hat, kann sich gerne auf den Websiten www.mfc-zell.de informieren.
Natürlich ist jeder, ob nun Segelflieger oder nur "normaler" Modellflieger herzlich eingeladen bei uns mal zum Gastfliegen vorbeizuschauen. Nähere Infos hierzu gibts auch auf unserer Website.

Hier in Zell habe ich zunächst (man glaubt es kaum!) mit der Helifliegerei begonnen. Erst nach und nach habe ich mich dann zuerst dem allgemeinen motorisierten Flächenflug und dann erst dem Segelflug zugewendet. Somit waren mir die Thermik- und Windverhältnisse am Platz lange Zeit eher unwichtig, bzw. Seitenwind oft ein Dorn im Auge. Denn, wie wir gleich sehen werden, sind es gerade die bei Schönwetterlagen häufig vorliegenden Süd-West, Süd oder Süd-Ost Winde, die zwar dem Segelpiloten herrliche Flüge ermöglichen, es aber den Flächenpiloten oft schwer machen.

Als allererstes wollen wir uns mal eine Karte des Geländes und der Umgebung ansehen und uns die genauen Windverhältnisse dort ansehen. Ich habe diese Karte aus Google Earth kopiert.

Man erkennt unten links den kleinen Ort Zell. Direkt vom Ortskern aus gibt es rechts einen Feldweg, der am Fußballplatz vorbei dann zwei mal fast einen 90 Grad Knick macht, und dann ins Tal in Richtung Flugplatz führt. Das kleine Tal ist sozusagen eine Sackgasse und nur nach Westen offen.
Im Norden und Osten ist es von bewaldeten Hügeln eingeschlossen und im Süden von landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen (Wiesen), die ebenfalls einen Hügel formen. Die grünen Pfeile zeigen die beliebteste Windrichtung für uns Seglerpiloten an. Diese aus südlichen Richtungen kommenden Winde liegen meiner Erfahrung nach im Sommer relativ häufig vor. Und wenn Sie nicht allzu böhig und stark genug sind, haben wir einen hervorragenden Hangaufwind auf dem der Runway direkt gegenüberliegenden Hügeln. Das reicht dann meist um in den blau markierten Bereichen
bereits ordentlichen Segelflug absolvieren zu können. Über dem linken Gebiet sind mir (und wie man hört, auch anderen Piloten früher) schon grandios hohe Aufstiege teilweise über 400m (Alpina 4001) gelungen). Wobei ich im Moment nicht unterscheiden kann, ob es sich im oberen Bereich noch um echten Hangaufwind, oder dann doch schon aufsteigender Warmluft handelt. Ich vermute eher letzeres. Auch der Bergrücken eignet sich gut zum entlangsoaren und dabei Höhe zu tanken. Vorsicht nur bei Wenden mit Seitenwind. Da verliert man schnell auch wieder ein paar Meter.

  
Blick über die Runway zum Windsack. Ideale Seitenwindbedingungen: Wind Süd-West                                                                                                                            Aufwindsituation bei Wind aus südlichen Richtungen (quer zur Bahn) am gegenüberliegenden Hügelrücken.

Besser sind in solchen Situationen natürlich immer unbewaldete Hänge, da die Bäume gerade im unteren Bereich viel Energie schlucken. Doch durch die "Sackgasse" im Tal findet sich bei mittlerem Wind aber fast immer entsprechender Aufwind an den Hängen.

  
Mit dem Aufwind in die Thermik. Beim oberen Pfeil beginnt bei Sonneneinstrahlung meist das kräftige paketweise Steigen.                                                             Auch hier am Kamm entlang kann Auftrieb gefunden werden. Wenn auch meist schwächer.

Doch es gibt auch rein thermisch aktive Bereiche. Flächen die sich bei entsprechender Sonneneinstrahlung auch bei Flaute aufheizen und warme Luftmassen dann meist paketweise gen Himmel schicken. Die rosa Markierungen auf der Karte zeigen diese meist engen Schläuche an.
Im Frühjahr ist meist nur der ganz rechte Bart einigermaßen aktiv. Ich vermute, dass durch die dann sehr feuchten Wiesen fast alle Sonnenwärme vom Boden aufgesaugt wird und sich keine bodennahmen Luftschichten entsprechend aufheizen können. Erst im Sommer, bekommt man dann teilweise richtig schöne und stabile Bärte direkt vor der Nase, respektive dem Flugfeld, präsentiert. Kühlere bodennahe Waldluft von den Hängen fließt dann gerade am späteren Nachmittag ins Tal und heizt sich dort auf um danach senkrecht aufzusteigen.

Wie ich am Flug der zahlreich vorhandenen Bussarde beobachten konnte findet sich auch und gerade hinter den Gipfeln der Hügelketten im Norden oft sehr starke Thermik. Die Vögel steigen teilweise in ein-zwei Minuten bis zur Sichtgrenze. Beeindruckend!
Leider ist dieser Bereich für uns am Boden feststehende Modellflieger nicht so leicht zu erreichen, da die Modelle dann schon arg klein erscheinen.

  
In diesem Bereich kann bei starker Sonneneinstrahlung oft ein kleines Bärtchen zentriert werden. (siehe auch Kartendarstellung oben)                                 Modell an der Sichtgrenze unter riesiger Gewitterwolke - das ist Adrenalin pur!

    
Anflug zur Landung bei Seitenwind                                                                                                                                                                                                                           Bei solch guten Bedingungen kanns auch mal länger dauern. Gut, wenn man einen bequemen Sitz dabei hat. ;-)

Alles in Allem kann man sagen, dass trotz und gerade wegen der Tallage des Flugplatzes Zell dort zumeist gut gesegelt werden kann. Das Gelände ist zwar nicht so weiträumig wie mancher Modellflugplatz in der Ebene, dafür hat man in Zell meist schon relativ tief gute thermische Bedingungen für lange Flüge. Gerade am späteren Nachmittag sind mir dabei die besten Flüge gelungen.

Schon in Kürze möchte ich hier meinen ersten eigenen Seglerschlepp probieren. Ich hoffe, dass uns das doch durch die nahen Baumreihen eher anspruchsvolle Gelände keinen Strich durch die Rechnung macht.
Sobald ich die Fotos im Kasten habe, gibt's hier mehr zum Thema!