+++ Hangfliegen rund um den Comer See in Italien
und der Schweiz +++
Eine edle Gegend hatte sich meine Familie für den Pfingsturlaub 2011 ausgesucht.
Unsere Lodge lag direkt am Ufer
des Comer Sees in Italien. So illustre Gestalten, wie z.B. George Clooney,
sollen sich ja auch hier herumtreiben,
respektive wohnen. Und das sieht man auch, wenn man einmal die Uferstraße
entlangfährt und einem beim Anblick
der vielen Villen und Schlösschen fast die Augen tränen. Am Comer See treffen
italienische Lebensart, gutes Essen
und mondänes Publikum auf eine wahrlich atemberaubende Landschaft.

So lässt es sich wohnen: Blick von unserer Terazza direkt auf den
Lario. Unsere Wohnung lag in San Siro, etwas nördlich von Menaggio am Westufer
des Sees gelegen.
Unser Fokus soll aber in diesem Bericht eher auf dem Thema Fliegen liegen. Es
handelt sich ja schließlich nicht
um einen langweiligen "Urlaubs-Blog". Uns interessieren mehr die harten Fakten
rund um den Hangflug.
Und dieser - das kann ich an dieser Stelle schon mal ausplaudern - kommt hier
wahrlich nicht zu kurz.

Drei Gelände wurden von mir in der einen viel zu kurzen Woche beflogen (siehe
Karte oben) und es gibt sicher noch viel mehr
zu entdecken. Denn die aufregende Landschaft mit dem alpinen Flair der
hochaufragenden Berge eignet sich perfekt für lange
entspannte und z.T. auch spannende Flüge mit Modellsegelflugzeugen.

Gut wenn man eine Dachbox sein Eigen nennt. Da passt das gesamte Equipment rein.

Aufstieg zum Gipfel.

Noch kurz den Wind gecheckt....
.... und schon wird ausgepackt.

Fluggelände am Monte Galbiga. Wer hier ein Montainbike sein Eigen
nennt, wie auf dem Foto mein Bruder Daniel, der hat sicherlich auch eine Menge
Spaß (vor allem Bergab beim Downhill).

Freiheit pur!

Impressionen ohne Worte....

Auf dem (Fuß-)weg zum Gipfel des Monte Basso. In dem Skigebiet
sagen sich im Sommer Fuchs und Hase Gute Nacht. Perfekte Bedingungen für
Hangflieger, also. Denn es stört uns garantiert niemand.

Geiler Gipfelblick. am Monte Basso auf den Comer See. Die
Landewiese ist fast steinfrei und nur gelegentlich starten hier Paraglider.
Heissa: So ein Windsack verspricht eine menge Spaß!
Wer sich für das Fliegen am Lario interessiert, dem sei u.a. Google Earth ans
Herz zu legen. Hier bekommt man in 3D einen
Überblick über das Gelände und schon mal einen groben Blick auf die
Beschaffenheit der Landewiesen. Außerdem sind
die Zufahrtswege sehr einfach auszumachen. Denn es lohnt sich auf alle Fälle
hier schon am Abend zuvor einen genauen Blick
auf die Karten zu werfen um später nicht allzu sinnlos in den Bergdörfern
herumzumanövrieren.
Ich habe mich für die drei Berge: Monte Galbiga, Monte Generoso und Monte Basso
entschieden. Diese lagen nicht allzuweit
von unserer Ferienwohnung in San Siro entfernt. Die Anfahrt gestaltet sich
gerade auf den Monte Galbiga zwar durch die teilweise
sehr engen Gassen der Dörfer etwas abenteuerlich, doch die Aussicht und das
Fliegen dort oben lässt einen schnell
alle Mühe vergessen.

Wer so einen Modellrucksack sein Eigen nennt, der ist hier
eindeutig im Vorteil. Das Modell kommt so fast schmerzfrei auf den Gipfel....
und für die Fitness tut man auch noch was.

Noch einmal kurz in den Wind geschnüffelt und schon werfe ich die kleine Alpina
ins Tal. Dank der starken Thermik ist das Modell aber schnell wieder auf
Ausgangshöhe und darüber.

Mein Startplatz unterhalb des Gipfels des Monte Basso.
Beim Monte Generoso schaut die Sache gleich etwas komfortabler aus. Man
fährt einfach auf die Schweizer Seite des Lago die
Lugano in den Ort Capolago und lässt sich von dort aus bequem per Zahnradbahn
auf den Gipfel schubsen.
Die Fahrt ist echt ein Vergnügen für die gesamte Familie, denn es geht immer
direkt am Abgrund entlang auf haarscharfen Graten
und durch mehrere enge Tunnels hoch zum Gipfel. Manchem mag das schon genug
Adrenalin sein, aber wir Hangflieger wollen
natürlich mehr! Und so macht man sich auf den kurzen Fußweg hoch zum Grat und
wirft je nach Windrichtung sein Modell
in die Tiefe. Aber keine Angst: An Thermik mangelt es hier normalerweise nicht
und so kommt der Vogel schnell wieder auf
Augenhöhe und der wilde Tanz mit dem Element Luft kann beginnen. Einige Dohlen
wundern sich nicht lange über den komisch
aussehenden Kollegen und gesellen sich spielerisch zu meiner Alpina. Man könnte
den Eindruck gewinnen, sie haben genau
so viel Spaß bei ihren aberwitzigen Flugkunststücken, wie ich ihn in dem Moment
empfinde.
Die Landschaft hier oben ist dabei derart reizvoll, dass man schnell die Zeit
vergessen kann. Aber Achtung: 17:45 fährt die
letzte Bahn nach unten. Und die sollte man nicht verpassen, außer man hat noch
einen längeren Abendspaziergang ins Tal vor.

Warten auf die Bahn zum Gipfel des Monte Generoso.

Hier fährt der Zug gerade ein.
Vorne fährt ein Lastenhänger mit, in dem die Alpina ihren Platz findet.

Der Steigwinkel der Zahnradbahn ist der Wahnsinn. Und immer geht
es haarscharf am Abgrund entlang. Die Fahrt dauert fast eine dreiviertel Stunde
uns ist ihr Geld auf alle Fälle wert.

Stop an der Mittelstation.
Von oben kommt uns ein Zug entgegen.
Gerade am Monte Basso und Monte Galbiga war die Thermik teilweise so stark und
der Taupunkt in der Höhe erreicht, so dass
sich rund um den Gipfel in atemberaubender Geschwindigkeit Wolken bildeten und
wieder auflösten. Der Flug direkt an der Basis
erfordert ein vorausschauendes Fliegen und schnelle Reaktionen. Denn ist
der Segler erst mal in der Wolke, dann wird's richtig
prickelnd weil man augenblicklich die Orientierung verliert. Nach einer Stunde
Fluges unter diesen Bedingungen ist daher ein Deo
unabdingbares Equipment. Zumindest mir ging es so, dass mir danach der Schweiß
in Bächen herunterlief.
Dieses Fliegen nennt man dann wohl "Action", oder? ;-)

Das Gelände des Monte Generoso verspricht was es dann auch hält.

Blick auf den Lago die Lugano. Die warme Luft, die hier
schwallweise heraufströmt sagt uns Segelfliegern mehr als tausend Worte.

Hauptsächlich Schafe waren meine Zuschauer beim Fliegen.
Die Wiesen hier sind nicht gänzlich steinfrei. Also Vorsicht bei der Landung!

Die schroffen Berghänge sind mit saftigem Grün überzogen. Nur
gelegentlich bricht der kalte graue Fels hervor wie aus einer aufgebrochenen
Narbe.
Es bieten sich vor allem stabil gebaute und kompakte Modelle an. Ich hatte in
dem Urlaub meine beiden geliebten Alpinas im
Gepäck und habe bei längerem Fußmarsch zur Startstelle gerne auch nur die 2,5m
Variante in den Rucksack gestopft. Elektro in der
Nase ist hier zwar nicht unbedingt Pflicht, weil man in der Regel auch etwas
tiefer noch landen kann, doch empfinde ich es
gerade an unbekannten Orten als nerven- und modellschonender. Denn schnell hat
man bei so einer zügig geflogenen Mitwind-
Außenlandung mal einen Stein in der Wiese übersehen und es kracht fürchterlich.

Man sieht es mir
vielleicht an: So ein mehrstündiger Flug nahe der Wolkenbasis kann schon
erschöpfen. Aber man kann sich ja im weichen Almgras zu einem Nickerchen aufs
Ohr legen.
Ein Vorteil im Gegensatz zu Österreich: Hier wird
auf kaum einer der Passtrassen Maut verlangt. Und überhaupt scheint
sich keiner für die nur vereinzelt auftauchenden Modellflieger zu interessieren.
Man fliegt sozusagen alleine und ungestört.
Nur einen einzelnen italienischen Piloten habe ich getroffen. Er kämpfte mit
seinem Easyglider gegen die wegen lokaler
Überentwicklung hammerharte Thermik an. In dem Fall war das Problem nicht das
"Obenbleiben", sondern eher das "Hilfe! Wie
bringe ich mein Modell jetzt heil wieder runter??"
Leider klappte die Verständigung nur mit Händen und Füßen, da mein Italienisch
ebenso miserabel ist, wie es sein
Englisch war. ;-) Machte aber nix. Wir beide hatten trotzdem Spaß beim
gemeinsamen Fliegen.

Die Bergstation der Zahnradbahn. Man achte vor dem Fliegen auch
auf die Windsäcke, damit man keine böse Leewind-Überraschung erlebt.

Fast steinfrei ist die riesige Landewiese am Monte Generoso.

Blick vom Gipfel. Hier ist auch eine astronomische
Beobachtungsstation beheimatet.

Die kräftigen Farben hier oben sind einfach nur wunderschön.
Und so wird einem auch in einer Flugpause nicht langweilig.

Winzig wie auf einer Spielzeugeisenbahn schaut auf diesem Foto
die Bergstation aus. Das Spiel von Sonne und Schatten unter den lokalen
Überentwicklungen lässt einen immer wieder Inne halten.

Schade - hier bin ich schon wieder auf dem Rückweg ins Tal.
ZURÜCK!