+++ Kostenz - DER Hang im Bayerischen Wald +++  Juli 2008

Heute möchte ich allen Segelflug "Feinschmeckern", aber auch denjenigen, die den Modellsegelflug sozusagen als Frischlinge gerade ausprobieren, einen Location-Tip mit auf den Weg geben. Dabei handelt es sich sicherlich um keinen Geheimtip mehr, da sich auf dem hier vorzustellenden Hang halb Niederbayern beim Fliegen tummelt. Jedoch ist gerade dieser Hang etwas ganz Besonderes. Allein schon die grandiose Aussicht (ich sage immer man sieht von Passau über Landhut bis Regensburg - ist aber etwas übertrieben!) macht dieses kleine Wiesenstück zu "DEM" Hang im Bayerischen Wald.

Der kleine Ort Kostenz - er besteht meiner Meinung nach nur aus einem einzigen Gebäude, einem Kinderheim - liegt ca. auf halber Strecke zwischen Schwarzach unten im Donautal und Sankt Englmar oben am Berg. Fährt man direkt von St. Englmar aus ins Tal und zweigt beim Wegweiser "Kostenz" links ab, so kommt man nach ca. 1,5 km am besagten Kinderheim vorbei. Man folgt weiter der kleinen Straße, die kurz danach eine scharfe 90 Grad Linkskurve macht. Und eben in genau dieser Linkskurve nimmt es einem dann fast den Atem. Der Ausblick von dort oben ist eben einfach unbeschreiblich:


Bei solch einem Panorama macht Segelflug richtig Spaß!

Und das Beste: Dieser Hang bietet nicht nur eine tolle Aussicht, sondern auch ganz hervorragende Aufwindbedingungen. Besonders bei Westwindlagen kann man in Kostenz auch dickere Brocken ganz bequem einfach in den Wind "schubsen" um sich danach in leichten Achten eine schöne Ausganshöhe zu erkreisen. Der Wind wird über der Ebene und die darunter liegenden sanften Hügel nicht gestört und legt sich somit gut an. Auch noch geeignet sind Süd-West, oder Nord-West. Bei Ostwindlagen tut man gut daran dieses Gebiet zu meiden. Denn die dann über dem Gipfelgraten entstehenden Walzen und der damit verbundene Abwind ins Tal sind nicht zu verachten und vermiesen jegliches Fliegen. Ganz zu schweigen davon, dass jede Landung dann zum Russisch-Roulette wird.
Apropos Landung: Diese sollte auch einen Anfänger nicht überfordern: Wiese (ohne Steine) wohin das Auge reicht. Nur Vorsicht vor dem kleinen Wäldchen rechts und der Baumhecke unten. Die Dinger sind höher als man sie manchmal einschätzt!

  
  
Kein Wind, aber gute Sonneneinstrahlung. Die Folge: Bärte wohin man schaut                                                                 Glasklarer Himmel, keine Wolken - und Westwind. Worauf warte ich eigentlich noch?                                                     Bei diesem Wetter auch am Hang: Mein Anhang! ;-)   (Oje - da bahnt sich ein Sonnenbrand an!)

Auch bei Flaute lässt es sich hier übrigens wunderbar segeln. Im Sommer erreicht die Sonne am späteren Nachmittag (ab ca. 16 Uhr) den Hang auf der vollen Breitseite und heizt ihn und das darunter liegende Tal schnell auf. Dadurch ist es dem findigen Piloten möglich auch weiter unten liegende Bärte aufzuspüren und auszukurbeln. Die häufig hier segelnden Bussarde und Dohlen zeigen uns wo es nach oben geht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ab 16 Uhr (wenn die meisten Piloten schon nach Hause gefahren sind) das beste Steigen erst beginnt. So viel Kunstflug ist dann schon wieder fast langweilig - weil das Ding sofort wieder die Ausgangshöhe hat und gar nicht mehr herunter will. Dann reicht auch eine kleine Flitsche und schon sind auch nicht elektrifizierte Segler auf Ausgangshöhe um in einen Schlauch einzusteigen. Da ist das Erfolgserlebis dann auch für einen Neuling garantiert! Ich war erst vor kurzem mit einem Schüler in Kostenz um ihm per Lehrer-Schüler-Sender das Segeln schmackhaft zu machen. Nachdem wir sofort Thermikanschluss hatten, war die Begeisterung gleich geweckt und es wurde fleißig kurbeln geübt. Später haben wir uns dann sogar abwechseln müssen (fliegender Wechsel mit Segler in der Luft), da die Nackenschmerzen bei solch einem mehrstündigem Flug doch schon ziemlich extrem wurden. Das Ergebnis: den ganzen Nachmittag in der Luft und den 3S Akku der kleinen Alpina nicht mal "angebraucht".

     
Kurze Pause aber nicht wg. mangelnder Thermik - Pilot hat Nackenschmerzen!                                                                  Auspacken, aufrüsten und raus damit! Direkt ab der Straße geht es los.                                                                             Sonnenöl mitnehmen - es kann länger dauern!

     
Wer jetzt sofort losstürmen will um sein Gerät der Thermik anzuvertrauen, dem sei noch Folgendes gesagt: Bei dem besagten Hang handelt es sich um ein Privatgrundstück. Der Bauer duldet alle Modellsegelflieger, die sich ordentlich aufführen, die Wiese mit ihren Autos nicht verunstalten und 1x pro Jahr eine Gebühr von 20.- EUR bei ihm bezahlen. Diese Gebühr wird von den ortsansässigen Modellfliegern eingesammelt und an den Bauern weitergereicht. Also bitte, wie üblich, höflich anfragen, ob man auch fliegen darf und an wen die Jahresgebühr zu entrichten ist. Ein Versicherungsnachweis mit mindestens Zusatzstufe 2 ist ebenso obligatorisch. (Elektro)modelle über 5 kg und Verbrenner sind hier selbstverständlich auch tabu. Das Gelände ist schließlich nicht als Modellflugplatz zugelassen und es befinden sich Wohnhäuser in der Umgebung.
Doch alle diese Hinweise sind uns Hangfliegern sowieso nichts Neues. Und Höflichkeit und die Frage nach dem Kanal der anderen Anwesenden bevor man seinen Sender einschaltet, gehört sowieso für jeden zivilisieren "Wildflieger" zur Tagesordnung.
Nur so ist gewährleistet, dass wir alle auch in Zukunft noch auf schönen Hängen fliegen können!