Jeder von uns Segelfliegern hat
wohl so sein ganz privates Fluggebiet direkt vor der Haustür.
Bei mir ist das ein Hügel zwischen den Dörfern Flanitz und Grießbach ganz in der
Nähe meiner
Heimatstadt Zwiesel. Doch bevor ich näher darauf eingehe möchte ich noch etwas
ausschweifen
um euch einige meiner Erfahrungen über das Segeln im Bayerwald wiederzugeben.
Grundsätzlich ist das thermische Fliegen bzw. der Hangflug im Bayerischen Wald
nicht immer
ganz einfach. Denn wir haben hier zwar viele schöne Berge, aber die sind, wie
der Name
der Region schon sagt, meistens dicht bewaldet. Es gibt zwar mit dem
Arber, dem
Geißkopf und rund um Sankt Englmar auch einige Skihänge, die man im Sommer zum
Fliegen
nutzen kann, diese stehen aber an den meisten Tagen nicht besonders gut zur
Windrichtung,
da es sich bei Skihängen sinnigerweise meist um Ost- bzw. Nordhänge handelt.
Bei den durchschnittlichen bewaldeten Höhenlagen um die 1000m entwickelt sich im
Bayerwald
auch nicht die Hammerthermik, wie man sie zum Beispiel aus den Alpen kennt.
Und dennoch kann man im Bayerischen Wald hervorragende lange Thermikflüge
erleben. Man
muss nur etwas besser fliegen können ;-) und das richtige Gespür für Ablösungen
entwickeln.
Gerade im Frühling und frühen Sommer erlebe ich in den ersten sonnigen Tagen
nach Durchzug
eines Tiefs immer wieder enorme Steigraten mit bis zu 3-4 m/s.
Ein Trick dabei ist, etwas höher in die Thermik einzusteigen. Denn wer bei einer
Ablösung im
Bereich 50-100m über Grund zu suchen beginnt, der hat oft schlechte Karten, da
hier die Bärte
meist sehr zerissen und eng sind. Ich fange dann erst ab ca. 200m zu suchen an
und werde
schnell fündig.
Hangflug ist an den westlichen
Ausläufern des Bayerischen Waldes hin zur Gäuboden Ebene
bei westlichen Lagen sehr gut möglich. Hier bietet sich vor allem das Fluggebiet
Kostenz an,
über das ich in einem anderen Beitrag berichte.
Der Wind legt sich in der Ebene gut ans Gelände an und fließt dann zunächst sehr
gleichmäßig
den Hang hinauf. Gerade bei frühabendlicher Sonneneinstrahlung entsteht
zusätzlich dazu sehr
häufig noch ein thermischer Aufwind.
Doch auch der im Bayerischen Wald manchmal auftretende Ostwind (auch Böhmwind
genannt)
hat mir schon interessante Flugerlebnisse ermöglicht. Findet sich ein Hang, der
nicht allzu nah
an der nächsten Hügelkette liegt (Stichwort: Verwirbelungen), so ist es möglich
im Ostwind
Hangsegelflug zu betreiben. So habe ich zum Beispiel meine 4m Alpina an einem
eisigen
Feburartag mit horizontal wehenden Schneeflocken eingeflogen. Ein spannendes,
aber
kaltes Erlebnis! ;-)
Gerade an seinem Hausberg weiß man wo zu welcher Tages- und Jahreszeit die Bärte
meist
sehr zuverlässig stehen. Um das herauszufinden, mache ich immer wenn es meine
Zeit und das
Wetter zulässt kleine Flüge um das Gebiet möglichst exakt abzuklopfen.
Seit Herbst 2008 leistet mir bei der Auswertung mein neues Vario von WStech
wertvolle Dienste.
Denn es hat nicht nur einen Datenlogger mit an Board, der alle möglichen Daten
über Stunden
aufzeichnet, damit man sie nachher am PC auswerten kann - die neueste Generation
dieses
kleinen Gerätes bietet nun auch noch eine integrierte GPS Antenne.
Somit ist es möglich die Flüge dreidimensional mit Google Earth auszuwerten.
Eine überraschend exakte Möglichkeit zu sehen, wann und wo genau die Bärte
standen.
Doch zurück zu meinem Haushang. Die nachfolgenden Bilder und Kommentare sollen
euch die
fliegerische Situation dort etwas erläutern:
Schon im Januar hielt mich 08 nichts mehr im Wohnzimmer. Segeln
war angesagt - oder besser noch Abgleiten von Elektrohöhe: Ich und meine ASW17.
Noch liegt ein wenig Schnee....
... doch die ersten warmen Sonnenstrahlen ermöglichen bereits Thermikflug.
Hier noch warm eingepackt und mit blauen Fingern.
Doch im Mai blüht schon der Löwenzahn...
... und die Cumulus.
Lange Thermikflüge mit dem Elektro-Junior von Graupner.
Thermisch war hier nicht viel los - aber trotzdem interessante Wolkenformation
über dem Nationalpark Bayerischer Wald. Ganz klein: Der Junior.
Alpina 2501 im Juli nach langem heftigem Thermikflug.
Durchschnittliche 39 min zeigt die Stoppuhr. Und das war noch kein Rekordflug!
Dieser Staubsauger musste mit aufs Bild: Bei seinem Durchzug war die
Alpina teilweise grenzwertig weit oben. "Aufzug" Hilfsausdruck!
Kurzes Stoppelgras frisch abgemäht. Perfekte Landebedingungen!
Wenn so einer kommt, heißt es RAUSWERFEN und zwar zackig!

Die Saison neigt sich dem Ende zu. Trotzdem wird auch Anfang November weiter
fleißig gesegelt. Hier mit der großen Alpina.
Diese stimmungsvollen
Aufnahmen möchte ich euch nicht vorenthalten.

So schön, dass ich es als Bildschirmhintergrund verwende: Alpina 4001 in
winterlicher Abendsonne.
Danke, Dani für das tolle Foto!
Anfang März 2009 - immer noch
verdammt viel Schnee aber langsam wärmer. Also wird getestet ob die ASW ein
Bärtchen finden kann.
Start in den Wind Richtung Frauenau.
Doch heute war wohl die Sonne noch zu
schwach. Kein Steigen zu finden - nur vorübergehende Nullschieber.