Meine Reise in die gute alte
Pionierzeit der Fliegerei.
Hiostorisch wertvolle Aufnahmen: Kurz vor dem Start zum Erstflug...
...und hier beim Überflug mit aktiver Rauchanlage.
Meine persönliche Erfahrung mit dieser ganz speziellen Art zu fliegen begann,
als mir mein Vereinskumpel Franz
einen alten Doppeldecker schenkte, der bei ihm wohl schon seit 20 Jahren am
Speicher rumgammelte.
Er meinte, er hätte den nur ca. 1,5m spannenden Vogel damals selbst kontruiert
und "frei Schnauze" in Holz gebaut.
Also ohne manntragendes Vorbild. Der aktuelle Zustand war natürlich jämmerlich,
trotzdem habe ich mich
mit Begeisterung dran gemacht um dem Oldie wieder Leben einzuhauchen.
Folgende Teile wurden durch mich noch ergänzt:
- Motor ASP 4-Takt ca. 10ccm mit
Tank
- Servos (2x Graupner 5077 für Höhe/Seite, 1x GWS 200MG für Gas und 1x ACT
XT-59450BB/MG DIGITAL für Quer)
- Fahrwerk Eigenbau aus GFK
- Finish im schwarz/silbernem "Flamedesign" und Stahlseil-Verspannung der
Tragflächen
- Rauchpatronen-System (fernzündbar)
Alles in Allem eigentlich ein sehr preiswertes Modell, insbesondere, da ich den
nagelneuen Motor mitsamt Auspuff,
Holzluftschraube, Retro-Spinner, Glüheinrichtung und Motoraufhängung für nur ca.
50 Eur bei eBay ersteigern konnte.
Das Antriebsverfahren kleinerer Modelle mittels Nitro-Methanolmotoren scheint
wirklich langsam auszusterben. :-(
Doch bei so einem Modell gehört der Sound eines 4-Takters einfach mit dazu.
Ölschmiererei hin oder her!
Hier zwei Werkstattfotos beim
Aufbringen der Flame-Design Aufkleber. Vorher wurde der Rumpf schwarz lackiert.
Pilot "Manfred v. Richthofen" sitzt auch schon im Cockpit. ;-)
Jedes meiner Modelle bekommt ein
kleines Extra - so auch der kleine Doppeldecker:
Also habe ich bei Raketenmodellbau Klima
(www.raketenmodellbau-klima.de) ein Set für Rauchpatronen geordert.
Ein kleines Elektronikbauteil wird hier an einer 9-Volt Blockbatterie und dem
Empfänger angeschlossen und
zündet auf Knopfdruck vom Sender aus eine Diode, die wiederum mittels einer
Zündschnur dann die Rauchpatrone
zum qualmen anregt. Das "Spektakel" dauert dann ca. 3-4 Minuten und ist bei dem
hier verwendeten weißen Rauch nur vor
blauem Himmel, oder dunklem Wald gut zu erkennen. Eine klassische Rauchanlage in
benzinbetriebenen Großmodellen
bringt sicherlich mehr Showeffekt. Doch war dies bei der im Vergleich dazu "kalten"
Verbrennung des Methanolers nicht
möglich.
Startklar im Herbstlaub zum
ersten Mal am Platz.
Gut unterhalb des Fahrwerks zu erkennen: die Rauchpatrone.
Im späten Oktober ging es dann bei
sonnigem Herbstwetter auf den Platz. Das Baby musste ja noch unbedingt heuer
eingeflogen werden. Der Aufbau im 2er Team klappt innerhalb von 10 Minuten.
Alleine dauert es etwas länger. Aber das ist
ja auch kein Flieger mit dem man nur mal schnell eine Feierabendrunde dreht.
Danach wurde der nagelneue ASP zum ersten Mal mit Sprit bekannt gemacht.
Vergaser auf Standard eingestellt, 3 mal angesaugt,
Glühung dran und nach 2-3 Schlägen knattert der Kamerad gelassen im Leerlauf vor
sich hin. Wir haben ihn nur einen Tank
am Boden einlaufen lassen. Danach ging es schon in die Luft. Im Laufe der ersten
Flüge mussten wir den Vergaser dann
nur mehr zunehmend magerer einstellen. Ein gutes Zeichen.
Der Start ist geglückt.
Das Flugbild ein Traum.
Dann kam der berühmte Moment: Modell mit voll gezogenem Höhenruder (damit
er nicht auf die Nase geht) langsam auf die
Startbahn rollen lassen. Nach ein zwei gefahrenen Testrunden Gas voll rein und
schon nach wenigen Metern hebt er sein Heck.
Höhenruder leicht ziehen und ein paar Meter weiter ist er frei. Auf den leichten
Seitenwind reagiert er indem er seine Nase
in den Wind dreht, was aber mit Seitenrudereinsatz sehr einfach zu handeln ist.
Zügig, scalelike und nicht zu schnell erklimmt er
die Sicherheitshöhe. Getrimmt werden muss nur ein bisschen auf dem Höhenruder.
Das Zeichen dafür, dass die Konstruktion
die Jahre auf dem Speicher verzugsfrei überstanden hat. Insgesamt fühle ich mich
sofort vertraut mit dem Modell. Keinerlei Zicken,
auch im jetzt langsamen Flug mit 3/4 Gas. Das Modell wird selbst mit Vollgas
nicht sehr schnell, nimmt man das Gas raus,
verliert es schnell an Fahrt. Der große Wiederstand der beiden Flächen und des "Sternmotors"
machen sich bemerkbar. Nach einigen
Überflügen setzte ich zur Landung an. Das Gas lasse ich bis zuletzt auf etwa
halb stehen. Dann setzt er wunderschön auf dem Haupt-
fahrwerk auf und senkt danach wie das Original sein Heck auf die Piste. Nur beim
Ausrollen Vorsicht: Das Flugzeug neigt dazu kurz vor
Stillstand auf seine Nase zu kippen. Ich schalte daher per Dual-Rate das
Höhenruder kurz nach dem Aufsetzen auf max. Ausschlag
und ziehe voll durch. Dann bleibt er stehen, wie man das erwartet.
Beim zweiten und dritten Flug probiere ich dann noch etwas Kunstflug aus.
Loopings, Immelmänner und Turns mag er richtig gerne.
Die Rolle ist dagegen weniger sein Fall. Sieht eher wie eine Fassrolle aus und
kostet Höhe. Und alle anderen Manöver verbieten
sich bei so einem historischen Modell sowieso schon aufgrund der fehlenden
Motorpower, die die Originale ja auch nicht hatten.
Aber das schönste mit "Hol's der Teufel" ist der ruhige Scaleflug und die
laaaaangsamen und tiiiiiefen Überflüge.
Und damit ihr das auch in bewegten Bildern sehen könnt, hat mein Schlepp-Partner
und "Kameramann" Stefan den Erstflug
in Bild und Ton festgehalten. Zu finden auf RCMovie
HIER!
Und jetzt geht's ab in die warme Werkstatt. Die Projekte für die Saison
09 wollen gebaut werden! ;-)
Tiefer langsamer Überflug im herbstlichen Zell. Ein Genuss für Auge und Ohr! Der
4-Takter stellt sozusagen die perfekte Motorisierung dar.