Schon lange war ich auf der Suche
nach einem Modellflugverein, bei dem ich nicht der einzige Segelflieger
weit und breit war. Nachdem ich durch meinen Modellfliegerkollegen Günther
bereits mit der MFG Freyung
bekannt gemacht war und bereits einige Male dem Stammtisch beiwohnen durfte,
wurde ich an Weihnachten
zum dort traditionellen Christbaumfeuer am Flugplatz in Kleinwiesen eingeladen.
Dabei lernte ich zum
ersten Mal persönlich den - ich übertreibe sicherlich nicht - Ausnahmepiloten
Benni G. kennen. Bereits vorher
hatte ich viel von ihm gehört. Aktueller Deutscher Vize im Segelkunstflug
(Modell) ist nur eine seiner Leistungen
der letzten Zeit. Im diesem Moment absolviert er gerade seine Ausbildung zum
Linienpiloten und hat frisch seinen
Segelkunstflugschein bei den Manntragenden.
Im Frühjahr sind wir beide dann des Öfteren gemeinsam am Platz in Kleinwiesen
geflogen und kamen so
näher in Kontakt. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich nicht lange zögerte, als
er mich dann eines Tages fragte,
ob ich mal Lust hätte mit ihm auf der großen DG1000 in Österreich zu fliegen.
;-) Gesagt, getan - und so trafen wir uns
frühmorgens am 26. April 09 um einen Flugtag bei den Segelfliegern in Kirchheim
/ Ried im Innkreis zu verbringen.
(http://www.sfc-ried.at/)
Der Twin wird für die Schulung bereit gemacht.
Und auch die Schleppmaschine, eine Dimona, steht schon bereit.
Ich war überrascht, wie perfekt der
Flugplatz dort war. Alles sieht ziemlich neu und stylisch aus.
Geografisch liegt er ziemlich gut für Streckenflieger genau zwischen Alpen und
Bayerischem Wald.
Und auch der dort vorhandene Flugzeugpark ist als allererste Sahne zu
bezeichnen. Nachdem mir Benni alles
gezeigt hatte (u.a. die dort stationierte Lancair in der selben Lackierung wie
mein Modell - ein Hammer!), durften wir
auch schon die Segler aus dem Hangar schieben und für die für den Tag geplanten
Schulungsflüge aufrüsten. Ehrfürchtig
stand ich kurz darauf der DG1000 im Original gegenüber. Als Modell hat mich
dieses Flugzeug schon immer fasziniert
und sollte in die engere Auswahl eines meiner nächsten Modellbauprojekte kommen.
Es ist dann schon ein besonderes
Gefühl wenn man so plötzlich die Möglichkeit hat selbst darin Platz zu nehmen.
Und hier steht sie schon in voller Pracht und Größe: Die DG 1000
mit den langen Thermikohren.
Nur das Wetter spielte leider an dem Tag nicht ganz so mit, wie Benni und ich
das geplant hatten. Eine hartnäckige
CI-Abschirmung wollte trotz leichtem Föhn fast den gesamten Tag über nicht
verschwinden.
Trotzdem starteten wir gegen Mittag zum ersten Flug im Schlepp hinter einer
Dimona und ich durfte nach dem Ausklinken
schon mal ein bisschen selber schnupperfliegen. Der Blick über die
trapezförmigen 20m Flächen mit den Winglets
ist einfach atemberaubend. Leider konnten wir in der absolut ruhigen Luft keinen
Bart zentrieren und so waren wir nach
wenigen Minuten wieder am Boden.
Und schon hängen Benni und ich am Seil und sind bereit für den ersten Start.
Beim zweiten Start sah das schon anders aus. Bereits nachdem die Sonne wenige
Minuten durch die Wolkendecke
durchkam heizte sich die Luft spürbar auf und wir konnten 20 Minuten lang einen
Bart über einem nahen Waldstück
auskreisen. Der Anblick der auf unserer Höhe ebenfalls kreisenden Schwarzstörche
und der anderen Segelflugzeuge
ist nicht zu beschreiben. Man bekommt ein ganz neues Gefühl vom
dreidimensionalen Raum.
Ich war erstaunt, wie schnell man trotz der relativ schwachen Einstrahlung und
des zerrissenen Bartes doch auf eine
gute Höhe gehieft wird. Wie genial muss das Gefühl dann erst an einem Tag mit
Hammerthermik sein?
Leider war die Abschirmung wenige Minuten später schon wieder da und wir kamen
wieder runter.
Ein Starthelfer hält für die ersten paar Meter eine Fläche hoch.
Und bereits nach wenigen Sekunden sind wir in der Luft....
und beginnen mit dem Aufstieg.
Nach einer kleinen Stärkung im Fly-Inn, dem Flugplatzrestaurant, starteten wir
zum dritten Flug dieses Tages. Ich bin
stolz sagen zu können, dass ich Bennis erster Gast in einem Kunstflugprogramm
war. Wenn ich auch vorher eher
wenig begeistert war von ihm zum "Purzeln" überredet worden zu sein.
Nach dem Schlepp auf 1200m, ging es auch schon los. Benni hungerte die DG, die
nun mit den kurzen Kunstflugohren
und weniger Heckballast ausgerüstet war, auf Minimalfahrt aus, bis kurz vor dem
Strömungsabriss. Als sich dieser dann
durch deutliches Rappeln des gesamten Flugzeugs andeutete, gab er voll Quer- und
Seitenruder und es ging trudelnd
abwärts. In kurzer Folge kamen danach Loopings, Snap-Rolls und Turns. Nach der
Landung wurde ich dann ausgelacht,
wie man innerhalb von nur 5 Minuten seine vorher gesunde Gesichtsfarbe so
gründlich verlieren kann. Auch meine von
den Blue Angels im Youtube-Video abgeschaute Pressatmung fand unter den Profis
nur mildes Grinsen. ;-)
Alles gar nicht notwendig beim Segelkunstflug. Reinsetzen, relaxen und genießen
wäre die richtige Vorgehensweise
meinten sie. Na wie auch immer - in dem Moment sah ich das etwas anders.
Aber trotz vornehmer Blässe und Schwindelgefühl war ich beim Aussteigen nur
begeistert und mit Adrenalin randvoll.
Meine Bedenken, dass mir schlecht werden würde waren wohl doch übertrieben.
Ein Blick auf das hochmoderne Instrumentenpanel mit dem Zander Flugwegrechner
gekoppelt mit GPS und iPaq.
Alles in allem war ich des Abends dann doch etwas geplättet. Aber glücklich so
einen geilen Flugtag erlebt zu haben.
Danke, Benni, dass du mir das ermöglicht hast!
Der Spiegel in dem ich mich hier selbst fotografiere dient der Kontrolle des
Klapptriebwerks der DG.
Gleich sind wir oben und klinken aus.
Ein Ausblick von oben
auf die Landschaft um den Flugplatz. Wie gesagt, das Wetter hätte ein wenig
schöner sein können.