Als mein Bekannter Klaus letzten
Winter eher zufällig auf meinen Thermikgeil-Blog gestossen ist,
(oder wurde - ich hatte unabsichtlich oder absichtlich, wer weiß, die URL mal in
seinen Browser
getippt) meinte er : "Du hast doch so eine Remo als Modell und schleppst damit
Segler? Willst die mal
zur Abwechslung manntragend fliegen?" Als ich erst mal tief Luft geholt hatte,
kam natürlich sofort
ein begeistertes "Ja geil - wann gehts los???!" Im weiteren Verlauf der
Unterhaltung erfuhr ich, dass Klaus
im Segelflugverein Cham (http://www.ssv-cham.de) aktives Mitglied ist und nun
schon seit 15 Jahren PPL Pilot.
Im Frühjahr war es dann endlich soweit. Ich wurde kurz per Mail davon
unterrichtet, dass Klaus die Maschine
für einen Samstag Nachmittag reserviert hatte. Meine Freundin Sabi und ich waren
natürlich schon viel zu
früh vor Ort und hatten somit die Möglichkeit den Hangar und ein paar
Vereinsmitglieder vorab kennenzulernen.
Obwohl Cham ein eher überschaubarer Verein ist, ist die Ausstattung doch
erstaunlich gut. Für die
Schulung steht unter anderem eine ASK13, eine ASK21 und eine Ka8 zur Verfügung.
Auch ein Astir CS
und das Schmuckstück ein nagelneuer Ventus 2cx steht für die Vereinsmitglieder
im Hangar.
An Motorflugzeugen ist die Remo 180 und ein Motorfalke da. Und mit der
vorhandenen Winde samit asphaltierter
Bahn sind die Starts natürlich eine preisgünstige Sache. Auch die Mitglieder,
die ich Vor-Ort kennen lernen
durfte sind wirklich super nett!
Die Remo 180 in ihrer vollen Pracht. Ist dieses Flugzeug nicht
ein Schmuckstück? Klaus meinte nur "Was schön ist fliegt auch schön!" Er sollte
Recht behalten.
Das Cockpit mit den präzisen Control-Sticks.
Das Cockpit wirkt Dank der Glashaube sehr geräumig. Die Aussicht: GENIAL!
Als dann Klaus kam, machten wir noch ein kurzes, aber für mich sehr
interessantes, Briefing und dann gings auch
schon los. Die Remo stand vollgetankt bereits vor dem Hangar. Das erste was mir
Klaus beibrachte, war
wie man einen Check durchgeht, bevor man startet. Zuerst gingen wir rings um das
Flugzeug um von außen
alles auf Beschädigungen oder Fehler zu untersuchen. Nachdem wir dann
eingestiegen waren (die Remo ist
zwar innen enger als ich mir das vorgestellt hatte - wirkt aber durch die
durchsichtige Glashaube sehr geräumig.)
zeigte mir unser Pilot alle wichtigen Checkpunkte, die man vor dem Abflug
kontrollieren muss.
Nachdem wir dann an den Start gerollt waren kam noch der Engine-Check und dann
bekamen wir bereits
das OK vom Tower zum Abflug. Die Jodel ist mit ihren 650 kg ein echtes
Leichgewicht. Der 180 PS Motor
hatte also beim Start leichtes Spiel mit uns und brachte uns zügig auf unsere
Flughöhe von ca. 1000m.
Ich war überrascht, wie schnell man doch mit diesem Flugzeug unterwegs ist. Die
Top-Speed beträgt
knappt 300 km/h (160 Knoten). Unsere Reisegeschwindigkeit betrug knapp über 210
km/h, weil Klaus
natürlich möglichst benzinsparend unterwegs sein wollte.
Skifahren am Arber geht nicht mehr. Die Pisten tauen ab.
Mein Haus (mit dem kleinen Waldstück dahinter - unterhalb der Straßenbaustelle)
Der Modellflugplatz Zell aus der Luft. Es herrscht reichlich Betrieb und wir
konnten sogar Modelle von oben im Flug bewundern.
Als erstes flogen wir Richtung Arber und konnten einen Blick auf die
abschmelzenden Skipisten werfen. Die
Radarkuppeln waren ca. auf Flughöhe. Ein atemberaubender Anblick.
Danach ging es weiter über Zwiesel, wo ich mein Haus aus der Luft bewundern
konnte, über den Rachel
und die Trinkwassertalsperre nach Kirchberg/Zell. Als ich Klaus meinen
Heimatverein MFC Zell zeigte, flog er
mehrere Runden um den Platz und wir winkten den anwesenden Modellfliegern mit
den Tragflächen zu.
Wir konnten auch sehen, dass unten mit den Modellen geflogen wurde und
einige Mitglieder winkten uns
ebenfalls zu.
Danach flogen wir weiter über die Rusel, wo wir viele Paraglider in der Luft
entdeckten, nach Deggendorf
und dann am Rande des Bayerischen Waldes weiter nach Regensburg. Ich konnte
sogar den Flughang
Kostenz ausmachen und sah dort einige aktive Modellsegelflieger an den Knüppeln.
Auch der Sabi gefällt der Flug total gut. Hinten sitzt man ebenfalls sehr bequem
und mit tollem Ausblick in der Remo.
Ich bin Happy wie ein kleines Kind ...
... weil ich auch mal fühlen durfte.
Innerhalb weniger Minuten waren wir schon an Straubing Wallmühle vorbei (wo mein
Dad früher selbst
aktiver PPL Pilot war) und weiter in Richtung Regensburg. Über der Stadt meinte
Klaus dann plötzlich:
"So du fliegst!". Natürlich war er immer an den Knüppeln dabei aber er gab mir
trotzdem ein Gefühl,
wie es ist das Flugzeug selbst zu steuern. Ein Wahnsinns-Erlebnis! Die Remo
fliegst sich extrem präzise
- fast so wie eine gute Fernsteuerung. Ganz sanfte Bewegungen am Knüppel reichen
aus um
dem Flugzeug mitzuteilen was man möchte. Ich flog nach einer Runde um die Stadt
dann weiter bis zurück
nach Cham, wobei Klaus die Luftraumbeobachtung übernahm und natürlich zu
jederzeit mit steuerte.
Dann begann auch schon der Sinkflug und kurz darauf legten wir eine butterweiche
Landung auf die Piste.
Links Pilot Klaus und rechts durfte ich sitzen.
Unter uns befindet sich die Stadt Regensburg.
Hier ein Blick auf einen Teil der Instrumente.
Ein Hammererlebnis war dieser eineinhalbstündige Flug für mich und natürlich
auch für meine Begleiterin.
Doch Klaus hatte natürlich auch noch einen Bonus für den begeisterten
Segelflieger in mir eingeplant.
Sobald die ASK 21 frei war hängten wir uns an die Winde und dann ging es auch
schon los.
Ich war total perplex, wie brutal die Winde das Flugzeug und uns beide auf
Ausklinkhöhe hiefte.
In 11 sec von 0 auf 400m. Das ist nur mit dem Start eines Formel 1 Autos
vergleichbar. Ein Gefühl wie
in der Achterbahn. Nachdem in der Abendthermik noch einen Minibart zentriert
hatten, ging es nach
diesem leider viel zu kurzen Flug auch schon wieder zurück zur Landung.
Selbstverständlich durfte
auch Sabi noch zu einem weiteren kurzen Segelflug starten und stieg danach
ebenfalls begeistert
aus dem Cockpit.
Die ASK 21 ist Startklar an der Winde für einen Flug am späten Nachmittag.
So sitzt man hinten im Cockpit.
Gleich beginnt mein erster Windenstart.
Insgesamt war dieser Nachmittag ein unvergessliches Erlebnis und einer meiner
schönsten Flugtage
überhaupt! Danke, Klaus, dass du mir dies ermöglicht hast, und vielen Dank auch
an den SSV Cham,
dass wir bei euch Gast sein durften!
11 sec später sind wir auch schon ausgeklinkt und auf Bartsuche. Leider lässt
sich am Abend nichts mehr brauchbares aus der Höhe finden.
Die Störklappen sind draußen und wir rauschen zur Landung herein.
Auch Sabi darf noch einen Flug mit Klaus absolvieren.
Hier noch etwas skeptisch ist sie nach der Landung begeistert.
Hier kommt der Traumflieger des Vereins nach Hause. Der Ventus 2cx nach über 450
Streckenkilometern in der schwierigen Blauthermik dieses Tages.
Dieses Flugzeug ist ein Hammer. Die Verarbeitung makellos - die Flächen scharf
wie Klingen. Hoffentlich darf ich mal in so etwas sitzen und es fliegen....
Der 2cx in der Abendsonne.
... und weil er so schön ist - hier noch ein Bild von vorne.