Kaum war der erste Schnee gefallen,
bekam ich Ende 2010 wieder mal Lust auf ein Eigenbauprojekt. Und
da die Wartezeit auf meinen neuen Ventus von LET sich in die Länge zog, wollte
ich das Modell nicht nur
selbst bauen, sprich ausdrücklich kein ARF Kit, sondern gleich auch selbst
konstruieren.
Beim ersten Selbstbauprojekt ohne Vorbild, unserer Aello, hatten Stefan und ich
mit Hilfe der Software
WingDesigner von Step4 zwar die
Flügel in perfekter Manier selbst gestaltet, beim Rumpf aber mussten
wir uns aufgrund des Fehlens einer CAD Software mit anderen Mitteln behelfen.
Mit dem Nachteil, dass dieser
in seiner exakten Bauausführung zu wünschen übrig lies. Diesen Mangel wollte ich
bei dem neuen Projekt
abstellen und so machte ich mich auf die Suche nach einer passenden "Rumpf-Designer"-Software.
Diese
habe ich dank der Hilfe von RC-Network-Teilnehmern auch gefunden. Und zwar mit
DevFus.
Als ich vor kurzem den aktuellen Lindinger Katalog erhielt war ich sofort
angetan von der süßen kleinen
Cessna 172 von Hype (1,2m), welche mit Schwimmern ausgestattet als RTR Kit zum
Kunden kommt. Aber da
der Vogel als Material Styropor verwendet schied der Kauf eines solchen Modell
von vorn herein aus.
Also blieb nur: Selber bauen und zwar in Holz. Dabei wollte ich die Erfahrungen,
welche Stefan und ich beim
Aello gemacht hatten mit in das Projekt einfließen lassen und aus Fehlern lernen.
Mit dem kleinen Fotobericht hier, möchte ich euch auf dem Laufenden halten, wie
es dem Projektle so geht:

Mit Hilfe dieser beiden Ansichten, kopiert
aus einem Flughandbuch, sollte die Konstruktion gelingen.
Im Wingdesinger lassen sich die relativ einfach aufgebauten Cessna-Tragflächen
wunderbar entwerfen.
In der 3D-Ansicht kann man sein Werk anschließend bewundern.
Dann werden die Rippen auf A4 Papier ausgedruckt. Hier die Ansicht vor dem
Ausdruck.

Und schon kommen die einzelnen Rippen aus dem Drucker. Auch fräsen dieser Daten wäre natürlich
möglich.
Dann werden die Ausdrucke möglichst exakt ausgeschnitten und auf 3mm Balsaholz
geklebt. Auf Sperrholz habe ich bei dem Flügel aus Gewichtsgründen verzichtet.

Auch einen "Plan" druckt Wingdesigner auf Wunsch aus. Wichtig ist, dass man
unter die Kiefernleisten entsprechende 1,5mm Balsaleisten unterlegt, damit
der
Abstand, welcher später für die Beplankung der D-Box benötigt wird, stimmt. (siehe
Bild rechts)

Schon nach sehr kurzer Zeit sieht das Ergebnis schon so aus. Nachdem auch der
obere Holm eingeklebt ist, werden die Rippen an den Linien abgeschnitten, um
später hier die Ruder und Landeklappen anschlagen zu können.

Aus den abgeschnittenen Rippen entstehen auch gleich die Querruder.
Planteil als Schablone für Sperrholzplättchen zur späteren Befestigung der
Fläche.

Mit vielen Nadeln fixiere ich die obere Beplankung. Geklebt wird nur mit Leim.
Die Landeklappen entstehen analog zu den Querrudern.

Verlegung der Servokabel für die Querruder bevor die untere Seite beplankt wird.
Die fertigen Flaps werden zentral angelenkt und per Stahldraht als Achse
in den Flügelmittelteil verlängert.

Im mittleren Teil der Fläche sitzt später ein Servo, der beide
klappen bis auf fast 90 Grad nach unten fährt.

Nun wurde mit Hilfe von DevFus der Rumpf gestaltet. Dazu werden
einfach zwei Ansichten der Vorlage als Jpegs in die Software geladen und dann
anhand dieser Vorlage der Rumpf geformt. Die einzelnen Spanten können in ihrer
Formgebung angepasst werden. Die Rundungen sind frei einstellbar,
die Größe errechnet das Programm automatisch aus Strak und Modellgröße. In
meinem Fall ist der Rumpf ca. 90 cm lang und 12 cm breit.

Das Ergebnis in 3D kann sich sehen lassen. Die Software errechnet sogar die
Helling.
Das schöne an Dev-Fus ist, dass die Konstruktion, genau wie beim Wingdesinger
keine CAD Kenntnisse benötigt und sehr schnell von der Hand geht.
Die Einarbeitung ist dank der intuitiven Bedienung einfach und schnell.

Das Ergebnis sind dann auch wieder Ausdrucke von Spanten und ein
"Plan". Passt mal ein Teil nicht auf eine A4 Seite (ich habe nur einen A4
Drucker),
so drucken beide Programme Schnitt- bzw. Klebemarken an denen dann zwei oder
mehr Seiten exakt zusammengeklebt werden können.

Gut ist dran, wer einen fleißigen Helfer beim Ausschneiden der Spanten und der
Hellingbauteile hat. Die Spanten wurden übrigens in 3mm 5-fach-
verleimten Birkensperrholz gebaut, bei der Helling reicht 3mm Pappelsperrholz,
welches preisgünstig im Baumarkt zu haben ist.

Anhand des Planes und einem Ausdruck vom 3D-Bild von DevFus entsteht zunächst
die Helling. Hier ist genaues Arbeiten gefragt, denn sonst wird
nachher auch der Rumpf verzogen.

Und schon gehts mit den ersten Spannten los, welche mit je einem Tropfen
Sekundenkleber exakt ausgerichtet fixiert werden.

Langsam erkennt man, was es mal werden soll. Bei den Gurten habe ich 5x5mm
Balsaleisten und 2x4mm Kieferleisten verwendet. Weniger ist hier mehr,
da die endgültige Festigkeit erst mit der Beplankung des Rumpfes erreicht wird
und Gewicht eingespart werden soll.

Auch die Tragfläche ist inzwischen fertig und wird schon mal probeweise auf den
Rumpf gelegt. Gewicht der Fläche incl. 3 Servos ohne Bespannung:
278 Gramm.

Bei dem Baustand ist schon mal ein Tässchen Tee mit Rum genehmigt. Bislang
dauerten die Arbeiten ca. 5 Bau- und Konstruktionsabende.

Mit kleinen Dübeln wird das Balsaformstück am Rumpfende fixiert.
Die Bowdenzüge sollten schon jetzt eingebaut werden.

Das Höhenruder mit Stabilisator wurde zunächst skaliert und als grobe Papp-Schablone
gebaut um die Dimensionen abstimmen zu können.

Dann wurde es im Wingdesinger gezeichnet und analog der Tragflächen auf dem mit
ausgedruckten "Plan" aufgebaut.

Hier ein Foto der Beplankungsarbeiten.

Mit Holzdübeln erfolgt die Fixierung am Modell. Aufgrund der geringen
Gesamtgröße des Modells kann das Ruder später fest eingeklebt werden.

... und fertig am Modell. Gewicht: 20 Gramm

Wie beim HR wird auch die Seitenflosse erst mit Schablone am Rumpf angepasst....

.... damit man sich vorstellen kann, wie das Endprodukt dann aussieht. Hier
wurde auch schon mal das Fahrwerk probehalber fixiert.

Die Seitenfinne wurde nicht am PC designt sondern klassisch mit Geodreieck und
Lineal gezeichnet.

Und dann entsteht Schritt für Schritt auf dem Baubrett das Seitenleitwerk aus
Balsaholzleisten.

Fertig zugeschliffen sieht es dann am Modell fixiert so aus. Die Finne wird am
oberen Rumpfgurt verklebt und erhlt zusätzliche Stabilität durch zwei
Holzdübel, welche im Endstück eingeharzt werden. Gewicht: 14 Gramm

Das Servobrett aus 3mm Pappelsperrholz entsteht.
Blick auf Bugfahrwerk und eingebauter Mini-Servos.
Der nächste Schritt war dann die Beplankung der Oberseite und der Seitenteile
des Rumpfes.
Auch das Fahrwerk wurde hier bereits angepasst. Danach wurde die Maschine von
der Helling genommen,
da in dem Baustadium kein Verzug mehr zu befürchten ist.
Da da Modell optional zum normalen Fahrwerk auch mit Schwimmern ausgestattet
werden soll,
habe ich hier die 50cm Multiplex Styroschwimmer bestellt. Hier die Fotos eines
weiteren Bauwochenendes:

Die Multiplex Schwimmer werden angepasst. Mit den beiliegenden
Kunststoffteilen lässt sich eine hervorragende Montage am Fahrwerksbügel basteln.

Und so steht sie dann auf den Schwimmern. Hier ist auf den
korrekten Winkel der Maschine zu den Schwimmern zu achten! Vorne wurde am
Brandspant....

... noch ein 3mm Stahldraht (im Set dabei) verwendet um
Stabilität zu erreichen. Das Bugfahrtwerk kann auch später noch abgenommen
werden.

Nun wieder auf dem normalen Fahrwerk wird die Tragfläche am Rumpf
angepasst. Der durch die Schablonen markierte Teil wurde entfernt.

Die Cessna fertig beplankt, verschliffen und mit fertiger Tragflächenbefestigung
- quasi Rohbaufertig. Nun kann bebügelt werden!
Vor dem Bebügeln standen aber noch einige andere "Klein"-Arbeiten an:

Die Schwimmer erhielten
jeweils ein demontierbares Wasserruder aus einer dünnen GFK-Platte

Die Streben für die
Tragflächen werden hier gerade erstellt

Verwendet habe ich 2mm
CFK-Stäbchen umhüllt von einem tropfenförmigen leichten Aluröhrchen.

Fixiert wird das ganze mit
Metallgabelköpfen und Augenschrauben, welche in kleine Balsaklötze eingeharzt
werden.
Die Rumpf-Oberfläche sieht hier
aufgrund des miserablen Blitzes meines Handys etwas gruselig aus.
Doch die Oberfläche ist Babyhintern-glatt geschliffen - eventuelle kleinere
Unebenheiten wurden mittels
Leichtspachtel vorher gespachtelt.

Der Motor wird angepasst. Zunächst mittels eines Balsakastens als Abstandshalter.
Danach wird er auf Kohleröhrchen mit Buchenholzkern gesetzt.
Das sieht zwar zunächst etwas wackelig
aus, doch nachdem das Holz mittels Endfest 300 im Rohr eingeklebt
ist und auch die Verschraubung noch mit dem Kleber gesichert wurde, macht die
Konstruktion einen sehr
stabilen Eindruck, so dass auch das Drehmoment beim Anlaufen des Motors keinen
Schaden anrichten sollte.
Sturz und Zug wurden hier gleich mit berücksichtigt, wurden aber bewusst mit je
1 Grad sehr gering gewählt.

Die Anpassung an die geplante Motorhaube vom Graupner Kadett entsteht aus einem
Balsaholzklotz, der entsprechend zugearbeitet wird.

So sieht der Motor dann im eingebauten Zustand aus.
Nun begann ich mit der Bespannung. Weiß-Blau soll die Bavaria-Cessna werden.

Stand 30.12.2010: Nach Beendigung der Arbeiten für Flächen und Leitwerke - fehlt
noch der Rumpf.

Genussfoto! ;-)
Aber nun ist schon wieder 23 Uhr durch und der Rest muss warten bis morgen.

Vor dem Bespannen des Rumpfes werden noch schnell die Fenster ausgeschnitten.
Zuerst mit Schablonen angezeichnet.....

... und schon sind sie ausgeschnitten.

Knapp 3 Stunden später ist dann auch das lästige Bespannen des Rumpfes fertig.
Puh!
So und nun lass ich erst mal die Sektkorken knallen. Nicht weil die Cessna nun
den "ARF"-Status
erreicht hat, sondern weil Silvester ist. 31.12.2010 ;-) Morgen gehts dann
hoffentlich ohne Kater weiter.....

Nun werdem die Fenster eingeklebt. Ich verwende "Formula 560
Canopy Glue" und fixiere das ganze während dem Trocknen des Klebers mit Nadeln.

Bei der Frontscheibe bietet sich eine Schablone aus Papier an.
Passt diese perfekt, so übertrage ich das ganze auf die blautransparente Folie.

Danach gehts an Einmessen der EWD. Einem der wichtigsten Jobs,
wenn das Flugzeug nachher auch ohne Überraschungen fliegen soll

Ich verwende hier eine EWD von ca. 1,5 Grad.
Suchbild "Kitten im Chaos". Wer sieht die Katze in dieser Unordnung? ;-)

Nochmal ein Blick ins Innenleben.
Der Akku ruht auf einem kleinen Akkubrett aus Pappelsperrholz

Und fertisch! :-) Juhu! Der Schwerpunkt auf 1/3 der Flächentiefe passt sofort
ohne ein Gramm Blei.. Gesamtgewicht ohne Akku: 1300 Gramm.

Mit dem etwas zu hohen Fahrwerk beim schmalen Rumpf sieht sie aber fast wie eine
152er aus.

Und weils so schön ist: Hier noch mal mit den montierten Schwimmern, bzw.
Schneekufen.

Die beiden Wasserruder können demontiert werden, wenn auf Schnee gestartet
werden soll.

Nun steht dann wohl wieder der unvermeidliche Erstflug an..... ;-)

09.1.2011
Erfolgsmeldung von der Cessna Front: Der Erstflug war zwar eisig aber
überaus erfolgreich. Die Kleine
fliegt sich harmlos und langsam und hat aber trotzdem ordentlich Power. Als
Luftschraube habe ich eine
13x4 gewählt. Die Schwimmer spürt man nur minimal im Flug da mehr Widerstand und
etwas Höhen-
trimmung notwendig. Die Flaps dürfen nicht 90 Grad gefahren werden, da sonst das
HLW abgeschattet
wird und sie dann in die Torquerolle möchte, wofür sie aber dann doch mit 3S
Lipo zu wenig Dampf
hat. ;-) Aber werden Sie ca. halb heruntergefahren, so wird das Modell noch
stabiler im Flug und
sie kommt mit leicht erhobener Nase wunderbar zum Landeanflug rein. Einfach
super!
Zur Info: Motor ist ein Turnigy 3548-1100 verbaut an einem 60A ESC mit BEC.
Wer's übrigens nachbauen möchte: Einfach kurze Mail an mich! Ich schicke gerne
die beiden CAD-Dateien
von DevFus (Rumpf) und Wingdesigner (Flächen). Software braucht ihr selbst. Aber
glaubt bitte nicht, dass es
sich dabei um einen "Baukasten" bzw. Plan im eigentlichen Sinne handelt. Hier
ist noch Eigeninitiative gefragt!
Und wer das Ganze noch verbessert, dem spendier ich eine Halbe!
Hier ist das Beweisvideo für euch, dass die Cessna nicht nur gut fliegt, sondern auch mächtig Spaß macht.