+++ Ein Wochenende auf der Tannenalm in Tirol -
oder Hangfliegen bis der Arzt kommt +++
Schon 2009 hatten Sabi und ich auf unserer Rückreise vom Glocknerhof kurz eine
Zwischenlandung
bei der Tannenalm der Familie Kröll im Zillertal gemacht und uns dort umgesehen.
Und waren von
der Herzlichkeit der Wirtsleute und ob der schönen Hangflugmöglichkeiten damals
so angetan, dass
wir umgehend drei Tage buchen wollten. Aufgrund der begrenzten Zimmerzahl und
der zahlreichen
Buchungen ebenfalls begeisterter Modellflieger mussten wir uns aber noch ein
gutes Jahr gedulden,
bis wir anreisen und dann auch übernachten durften.
Hier gehts zur Tannenalm.
Das Gebäude der Tannenalm. Rechts ist gerade ein Anbau am entstehen.
Unterer und hauptsächlich benutzter Haushang hoch über dem
Zillertal.
Früh am morgen steht die Sonne noch im Rücken - ab Mittag gehts
mit der Thermik dann los.
Doch von vorn: Die Tannenalm liegt hoch über dem Ort Stumm in Zillertal. Sie
bietet gemütliche
bodenständige Pensionsatmosphäre. Luxus sucht man hier vergeblich - man wird ihn
aber auch zu
keinem Zeitpunkt vermissen. Die sehr familiäre und sympathische Art der Krölls
und des Personals
gibt einem schon bei der ersten Ankunft das Gefühl hier ehrlich willkommen zu
sein. Der Wirt selbst
ist ebenfalls Modellflieger und sitzt schon mal am späteren Nachmittag bei
seinen Gästen am Hang
um dort selbst eine Runde zu segeln und um zu "ratschen".
Ich hatte bei meinem Aufenthalt den Eindruck, dass viele der Gäste schon seit
Jahren hier jeden
Sommer ihre Zelte aufschlagen um dem Hangflug zu frönen - man kennt und schätzt
sich inzwischen.
Die Zimmer sind zwar einfach eingerichtet aber gemütlich und mit
Balkon.
Der neue Aufbewahrungsraum für die Modelle. Insgesamt stehen zwei
solcher Räume zur Verfügung.
Solch moderne Werkbankeinheiten stehen den Modellfliegern
zahlreich zur Verfügung - zum basteln und laden. Perfekt!
Die Zimmer sind gemütlich eingerichtet und bieten einen guten Schlafkomfort.
Aber nach
einem ganzen Tag in der Sonne Tirols schläft man sowieso wie ein Murmeltier. Die
Preise sind
sehr moderat angesiedelt was die Urlaubskasse freut. Die Verpflegung kann sich
auch aufgrund
der hauseigenen Schlachtung wirklich sehen und schmecken lassen. + 2kg auf den
Rippen
nach nur drei Tagen Vor-Ort spricht, denke ich, eine deutliche Sprache.... ;-)
Abends können die Modelle in zwei großen und super eingerichteten Räumen
untergebracht
werden. Es stehen 12 und 230V Anschlüsse für Ladegeräte zur Verfügung und
diverse
Werkbänke wo man eventuelle Blessuren an den Modellen schnell wieder beheben
kann.
Hier punktet die Tannenalm besonders und man merkt, dass der Hausherr weiß wo
uns Hangflieger
der Schuh drückt.
Hang und Gebäudekomplex der Tannenalm von der Straße aus gesehen.
Die Gilde der Stammkunden der Tannenalm bevölkert meist den
unteren Hang - damits nicht zu weit ins Restaurant ist.
Hauskitten Felix macht es sich im Blumenbeet auf der Terasse
bequem.
Fliegerisch gibt es drei sog. Haushänge in direkter
Umgebung der Tannenalm, die auch nur von
den Hausgästen benutzt werden dürfen. Der am meisten beflogene Hang liegt direkt
vor der
Haustür. Man braucht sich sozusagen nur von der Restaurantterrasse 100m weiter
zu schleppen und
kann dann seinen Flieger schon den Hang hinunterstürzen. Dank der zur Verfügung
stehenden
Stühle und Sonnenschirme ist das auch eine sehr entspannende Art der Fliegerei.
Gekühlte Getränke zu wirklich fairen Preisen stehen hier auch zur Verfügung.
Sabi beim Sonnenbad
Hauptsächlich kommen auf der Tannenalm kleinere Elektrosegler zum
Einsatz. Dank der vorhandenen Katapulte können aber auch größere Segler sicher
starten.
Wohl dem der das passende Gestühl und ein kühles Getränk dabei
hat. So sieht für mich dann der perfekte Urlaub aus! :-)
Für die abenteuerlustigeren Piloten stehen auf 1200 und 1600m noch zwei weitere
interessante
Grundstücke zur Verfügung, die gerade bei etwas südlicheren Windlagen
hervorragenden
Aufwind versprechen. Der mittlere Hang bietet eine großzügige nicht zu steile
Landewiese,
einen Brunnen zum Getränke kalt stellen und in unserem Fall leider auch sehr
viele Bremsen,
deren Stiche das fliegen hier (ohne Autan) leider schnell zur Qual verkommen
lassen.
Ganz oben sieht die Welt dagegen schon wieder besser aus: Keinerlei Bremsen,
etwas kühlere
Luft, was aufgrund der heißen Temperaturen hier sehr angenehm war, und ein
Bergpanorama
vom allerfeinsten. Der Hang ist hier oben allerdings schon etwas steiler, so
dass ich auch aufgrund
der ungemähten Wiese auf einen Start der größeren Modelle verzichtet habe.
Der mittlere Haushang der Tannenalm.
Die großzügige und nicht zu steile Landewiese hier erlaubt
auch größere Modelle.
Hier wird der mittlere Hang segelflugtechnisch gecheckt.
Doch nun zum Wichtigsten: Der Thermik. Meine Beobachtung an dem Wochenende war,
dass sich,
obwohl meist ganz leichter Süd- oder Westwind herrschte, aufgrund der
Sonneneinstrahlung bereits
am frühen Nachmittag ein lokales Windsystem ausbildet, dass für erstaunlich
stabiles Steigen an
allen drei Hängen sorgte. Nachts und Vormittags herrschte dagegen der Bergwind
vor, so dass
hier kaum sinnvoll geflogen werden kann. Die Sonne steht Vormittags im Rücken
und sorgt eher
auf den gegenüberliegenden Berghängen für thermische Ablösungen - was man ganz
gut an den dann
dort entstehenden Cumuli erkennen kann. Doch gegen Mittag wendet sich das Blatt
und die Sonne
strahlt nun immer stärker in die östlichere Seite des Tals ein. Man kann die Uhr
danach stellen, wann
der Wind dann dreht und das fliegen beginnen kann. Meine letzten Starts um ca.
19 Uhr waren dann
immer noch von herrlichem Aufwind gekrönt.
Sonnencreme nicht vergessen - bei der Thermik könnte der Flug
auch mal etwas länger dauern. Kurbeln muss hier oben niemand - es geht
großflächig aufwärts.
''
Hier am oberen Hang lässt es sich auch für die Damen gut
aushalten - vor allem wenn man an eine Decke und ein gutes Buch denkt.
Ein Ausblick wie im Bilderbuch: Der obere Hang der Tannenalm auf
1600m.
Fazit: Man kann die Tannenalm für den geneigten Alpenflieger, der das gemütliche
Hangsegeln
dem Extremen vorzieht nur empfehlen. Die Atmosphäre, die Unterkunft und die
Verpflegung sind
"preiswert" - im Wortsinn. Die Herzlichkeit der Wirtsleute macht einen bestimmt
schnell zum Stammgast.
Verzichten muss man auf wirklich hochalpines Flugfeeling oberhalb der
Baumgrenze, wie es manche
sehr hoch gelegene Skigebiete der Alpen im Sommer bieten. Doch für ein
Wochenende mit Familie
oder den Segelfliegerkumpels ist die Tannenalm bestimmt der richtige
Anlaufpunkt.
Und ich glaube ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage:
Wir buchen bestimmt bald wieder!
Bei den guten Bedingungen wird noch schnell die Alpina 4001
startklar gemacht.
Kleine Alpina startet Richtung Hangaufwind.
Die große Alpina beim Start.
Segelflugidylle Pur!
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